ProjektionenMusik lässt Bilder in uns entstehen, ruft Assoziationen hervor, weckt Erinnerungen und liefert Stoff für Träume. Die Konzerte des Festivals entführen in solche musikalischen Phantasiewelten und lassen sie in Tanz und Bild tatsächlich sichtbar werden. Musik kann darüber hinaus selbst Projektionsfläche sein: Hier kann sich in höfischen Umgangsformen unziemliche Emotionalität ungehemmt entladen, Liebesschmerz und erotische Sinnlichkeit können — durch biblisch legitimierte Texte wie das Hohelied Salomonis gedeckt, oder auf entrückte Figuren wie Maria oder Laura projiziert — in hochaffektiver, berückend schöner Musik ausgelebt werden. Nicht zuletzt gibt es Formen der Musik, die gleichsam aus projizierten Tönen bestehen: Künstler der Improvisation verfügen über die wunderbare Gabe, frei oder auf der Basis von Choralmelodien oder bestimmten Modellen Musik aus ihrer eigenen Vorstellung heraus unmittelbar entstehen zu lassen. Im Ensemble erfordert das ein hohes Maß an Kommunikation, Koordination und Imagination, gerade auch, wenn dabei Verfahren aus der Zeit der Renaissance zugrunde gelegt werden. Eindrücklicher kann man kaum vorführen, dass diese Musik tatsächlich lebt: Noch heute lässt sich in ihrer Sprache zum Ausdruck bringen, was uns bewegt, noch heute lädt sie ein zu phantastischen Projektionen. Dr. Ann-Katrin Zimmermann |